Die Reise in eine andere Welt

Es ging nach Bayern. Um auf das Auslandsjahr perfekt vorbereitet zu sein, sind 10 Tage Vorbereitung für einen internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) vorgeschrieben. World-Horizon hält dieses Seminar in Bayern ab, auf einer (oder eigentlich zwei) einsamen Almhütte(n). Zusammen mit knapp 40 weiteren Freiwilligen habe ich hier also ab dem 3. Juli etwas Zeit verbracht und dabei verschiedenes über mein Auslandsjahr gelernt…und erneut erkannt, dass ich ein unglaublich schlechter Volleyball-Spieler bin.

Doch der Reihe nach: Zunächst musste ich das andere Ende Deutschlands erreichen, und das ist es wirklich. Die Alm liegt nahe dem bayrischen Ort Ruhpolding, welcher sich bereits kurz vor der Grenze zu Österreich befindet. So ging es also vom Hamburger Hauptbahnhof mit dem ICE zunächst Richtung München. Abgesehen vom überlasteten WLAN an Board lief sogar alles reibungslos und ich kam pünktlich in München an. Von hier an wurde es dann allerdings spannend: Meine USA-Kollegen und Kolleginnen hatten mich bereits gewarnt, dass die weitere Strecke durch Zugausfälle betroffen war. Sie sollten leider Recht behalten.
Zwar brachte mich der Regionalzug noch einige Bahnhöfe weiter, von dort an sollten dann allerdings Busse übernehmen. Sollten. Leider hatten die Verantwortlichen der Deutschen Bahn vermutlich eine ebenso große Aufmerksamkeitsspanne in Mathematik bewiesen wie ich, denn die erschienenen drei Busse reichten nicht um hunderte von Leuten aus der Bahn zum nächsten Bahnhof zu bringen. So durfte ich also über eine Stunde warten bis der nächste Zug dann durchfahren würde. Der Umsatz des McDonalds in Rosenheim hat an diesem Tag vermutlich einen freudigen Sprung nach oben gemacht. Als ich dann mit einiger Verspätung endlich den Bahnhof Ruhpolding erreichte, traf ich auf ein paar weitere World-Horizoner, die eine ähnliche Anreise hinter sich hatten und gemeinsam fuhren wir mit dem Bus zum Treffpunkt.

Unser Gepäck bestand nur aus einem riesigen Wanderrucksack, denn die Hütte sollten wir zunächst erklimmen. Nach stundenlangem Sitzen in Bus, Bahn und Schnellrestaurant tat so eine kleine Wanderung sogar wirklich ganz gut und ging schneller vorbei als erwartet. Zudem wurden wir, an der Hütte angekommen, für unsere harte Arbeit belohnt. Zwar gab es hier weder Strom, warmes Wasser oder Handy-Empfang, aber uns erwartete bereits ein eiskaltes Bier und Käsespätzle. Eine willkommene Überraschung nach dieser unangenehmen Anreise!

Die nächsten Tage bestanden daraus weitere Freiwillige kennenzulernen und mehr über das Auslandsjahr zu erfahren. Es gab allgemeine Vorträge über Themen wie Kultur und Rassismus aber auch individuell abgestimmte Meetings nach Ländern und Aufgaben. Letztere waren besonders interessant und vermittelten wichtige Tipps und Hinweise für das Jahr in den USA. Unser Länderleiter Lutz erzählte von den wunderschönen Erlebnissen eines Freiwilligendienstes im Seniorcenter (aus eigener Erfahrung), aber gab auch Verhaltenstipps für weniger erfreuliche Situationen.
Die Freizeit wurde je nach Tageszeit auf dem improvisierten Volleyball-Feld oder am Lagerfeuer verbracht. Meine Talente im Volleyball sind dabei ungefähr so stark ausgeprägt wie in so ziemlich jeder anderen Ballsportart (nicht vorhanden), doch zumindest am Lagerfeuer mit Gitarre war ich ein wenig von Nutzen.

So vergingen die Tage also und nach einer Weile stand meine (leicht verfrühte) Abreise an, denn der Abiball rief. Mein Plan war es mit dem Zug nach Salzburg zu fahren und von dort aus per Flugzeug Richtung Norden zu starten. Leider hatte die Bahn erneut andere Pläne und die auf meiner Buchung existierende S-Bahn gab es vor Ort leider nicht. Erneut wurde das Problem (eher medium erfolgreich) mit Bussen gelöst. Meine Verbindung war ohnehin bereits eng getaktet, doch mit einem Bus, der eine Sightseeing-Tour Salzburgs roter Ampeln durchführte, wurde sie in diesem Moment unmöglich. Endlich am Umsteigebahnhof angekommen wählte ich also statt der Bahn (die es nicht pünktlich schaffen würde) ein Taxi und so schaffte ich es doch noch knapp 10 Minuten vor Boarding am Flughafen zu erscheinen. Lieber Taxifahrer: Danke! Sollten da noch Strafzettel kommen für die ganzen Tempoverstöße, ich zahl sie gerne.

Schlussendlich habe ich einiges von diesen Tagen mitgenommen und etliche nette Leute kennengelernt, von denen ich einige auch in den USA wiedersehen werde. Meine wichtigste Lektion ist allerdings eine andere: Natürlich kann man sich bei dringenden Terminen auf die Deutsche Bahn verlassen. Sollte man aber nicht.

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