Kälte, Schnee und Wasser

Mein letzter Post ist mittlerweile schon eine Ewigkeit her. Nicht, weil ich hier nichts erlebt habe und es nichts zu berichten gab, sondern viel mehr, weil mir einfach die Zeit und ehrlich gesagt auch die Motivation für den Blog fehlte. Doch nun plagt mich langsam mein schlechtes Gewissen, also los geht’s mit einem „kleinen“ Update…

Mein letzter Blogpost endete ja mit dem Auto-Debakel. Ein Auto musste her, und möglich eines, welches sich nicht bei der erst besten Gelegenheit festfährt. Nach langer, ausgiebiger und erfolgloser Internetrecherche, zeigte sich dann, dass ein kleines Dorf mal wieder von großem Vorteil sein kann. So wurden mir im Center schon bald von Senioren und Mitarbeitern mehrere Möglichkeiten genannt, von wem ich denn ein Auto erwerben könnte. Der entscheidende Hinweis kam dann von meiner Chefin, denn Bekannte von ihr verkauften gerade einen Chevrolet Equinox. Ein mittelgroßer SUV mit viel Stauraum und Allrad-Antrieb. Perfekt! Nach einer Testfahrt und einer abschließenden Wartung habe ich mir das Auto dann tatsächlich auch gekauft. Zwar musste ich bereits die Scheinwerfer austauschen lassen (eine Sichtweite von ca. 2 Metern trotz Fernlicht ist einfach nicht allzu überzeugend) und auch einige weitere Reparaturen durchführen lassen, doch im Groben und Ganzen bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden. Während viele Autos im Michigan-Winter im Straßengraben enden oder sich im teilweise bis zu 20cm hohem Neuschnee festfahren, kämpft sich mein kleiner Equinox tapfer durch jegliche Wetterlage hindurch.

Ganz ohne Spuren ist der Winter an meinem Auto und mir dann aber doch nicht vorbeigegangen. Denn auf dem Rückweg von der Weihnachtsfeier im OCCOA, um 10 Uhr nachts bei totaler Dunkelheit und Schneesturm, stellte sich mir eine kleine Gruppe Rehe in den Weg. Trotz verhältnismäßig langsamer Geschwindigkeit, war es unmöglich bei verschneiten Straßen rechtzeitig zum Stehen zu kommen und auch die Last-Minute Entscheidung der Tiere doch noch die Fahrbahn zu kreuzen, war nicht unbedingt förderlich. Ich rutschte also leider unausweichlich in die Ausflugsgruppe. Erwischt hat es nur eins der drei Tiere, und sogar dieses nicht tödlich. Trotzdem zählt diese Begegnung definitiv nicht zu meinen Highlights meines Auslandsjahres, und die noch ausstehende Reparatur der eingedellten Stoßstange hätte ich mir auch gerne gespart.

Wo wir schon gerade beim Winter sind: Der ist definitiv etwas anderes als unser Norddeutsches Regen-Wetter. Hier gibt es nur Schnee, Schnee, und noch mehr Schnee. Das Ganze dann bei knusprigen -16°C. Die Straßen sind dementsprechend teilweise recht abenteuerlich, besonders wenn man auf einem Dirtroad mitten im nirgendwo lebt. Und selbst auf der eigentlich recht gut geräumten Auffahrt zu unserem Center, haben sich mittlerweile schon mehrere Personen festgefahren, die dann unter anderem von mir und meinem tapferen Auto befreit werden mussten. Doch abgesehen von den weniger erfreulichen Seiten des Winters, gibt es natürlich auch einen großen Vorteil: Die Landschaft sieht einfach traumhaft schön aus! Außerdem gibt es auch gelegentlich unvorhergesehene freie Arbeitstage, weil ein „Snowday“ ausgerufen wird, wenn die Straßen zu unsicher sind. Diese Tage kann man dann für etwas Wintersport nutzen.

Ich habe einige dieser in Norddeutschland fast unmöglichen Sportarten mal ausprobiert, angefangen mit dem wohl aufregendsten: Snowmobil fahren. Diese kleinen, lauten und überraschend bequemen Maschinen, legen selbst auf den schlimmsten Untergründen eine unglaubliche Beschleunigung an den Tag. Zwar muss man sich ordentlich warm anziehen, denn trotz Features wie Sitzheizung (welches mein Snowmobil leider nicht hatte) und beheiztem Lenker, ist der Fahrtwind besonders bei höherem Tempo eisig, doch dafür hat man für die gesamte Zeit ein breites Grinsen im Gesicht. Würde ich hier leben, würde ich mir sicherlich ein Snowmobil kaufen. Wie sonst kann man auf einer Schneedecke und einem 2 Meter breitem Weg mit bis zu 120km/h (mehr ist möglich, war mir als Anfänger dann aber erstmal doch ausreichend) durch die wunderschöne Schneelandschaft rasen? Das ist doch mal ein aufregender Weg zur Arbeit!

So schön der Schnee aber auch ist, irgendwann wird man ihn dann doch etwas leid, besonders wenn einem bewusst wird, dass dieses Wetter noch bis März oder sogar April anhalten kann. Tatsächlich wurde es hier in den letzten Tagen dann aber schon fast ungeheuerlich warm. Ganze 6°C hatten wir teilweise tagsüber. Eine wahre Hitzewelle! Doch leider hinterlässt diese auch ihre Folgen… So wurde ich am vergangenen Donnerstag nicht wie üblich von meinem Handywecker, sondern viel mehr von den lauter werdenden Rufen meiner Gastmutter geweckt. Nachdem ich dann endlich ein verschlafenes „hmmhmmm“ rausbrachte, bat sie mich auf der Website und Facebook zu veröffentlichen, dass wir heute geschlossen seien und auch den automatischen Rundruf bei einer Schließung zu starten. Das ist zwar an sich nichts Ungewöhnliches und hatte ich auch schon des Öfteren gemacht, doch zum einen hatten wir Plusgerade und die Straßen wirkten überdurchschnittlich sicher, und zum anderen wurde ich dafür noch nie vorzeitig geweckt. Der Grund war allerdings auch ein anderer: Unsere Köchin (meistens die erste im Center) hatte angerufen, es stünde Wasser im Gebäude. Schnell übers Handy die Schließung bekanntgegeben, sprang ich also zunächst aus dem Bett, danach in ein paar Klamotten und schließlich hinters Lenkrad meines Autos. Im Center angekommen traf ich mittlerweile noch zwei weitere Kolleginnen und einen schockierenden Anblick des Centers. Zwei einhalb Büros standen komplett unter Wasser, auch die Rezeption war ausgiebig bewässert und selbst im Inneren des großen „Esszimmers“ fanden sich zwei riesige Pfützen. Schnell probierten wir so viele Dinge wie möglich aus dem Wasser zu retten und so wirkte das Center bald leer und trostlos. Da solche Überflutungen leider in der Vergangenheit schon einmal passiert waren, war gleich bekannt welche Firma im Ort sich um dieses Problem kümmern kann. Die war auch schnell angekommen und sorgte in Rekordzeit für die Trockenlegung unseres Gebäudes. Mittlerweile belüften zahlreiche, große Ventilatoren das Center, welches nun mindestens noch bis Dienstag geschlossen bleibt. Wie genau das Wasser ins Gebäude gekommen ist, weiß man noch nicht mit Sicherheit. Allerdings ist klar, dass die große Wassermenge vom geschmolzenen Schnee stammt. Ein vermutlich defektes oder fehlendes Abflussrohr sorgte dann vermutlich dafür, dass das Wasser nicht den vorgesehenen Weg in die Kanalisation nahm, sondern viel mehr das Seniorencenter als Zielort wählte. Der angerichtete Schaden wirkt auf den ersten Blick zum Glück allerdings relativ klein.

Und sonst noch? In der Zwischenzeit habe ich zweimal Chicago besucht (einmal alleine und einmal als Ausflug mit dem Center), mich mit meiner Chefin als lächerliches Halloween-Duo verkleidet und schließlich Weihnachachten, Geburtstag und Neujahr in den USA gefeiert. Wusstest du eigentlich, dass hier an Neujahr kein Feuerwerk gekauft werden kann und auch niemand privat Böller, Raketen oder sonstiges in die Luft jagt? Ich auch noch… Deshalb musste ich an Neujahr extra nach Ludington fahren, um ein von der Stadt organisiertes Feuerwerk um Mitternacht zu bestaunen. Verbunden mit einem fast originalgetreuen New Yorker Ball Drop hat sich das Warten in der Eiskälte allerdings gelohnt! Und zu Chicago: Definitiv eine interessante und schöne Stadt, wenn auch nicht meine Lieblings-US-Stadt. Ich komme aber sicherlich nochmal wieder, wenn es wärmer ist.

Natürlich ist in der Zwischenzeit auch noch viel anderes passiert, doch dies soll nun erstmal reichen, um mit dem Blog grob wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. In der Zukunft folgen dann hoffentlich wieder regelmäßigere, kürze Beiträge. Bis dahin!

 

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2 Kommentare

    Danke fuer den tollen update! Ich seh' schon: langweilig ist es dir nicht. Wir sind schon froh, dass es jetzt endlich mal ein paar Tage geregnet hat. Auch in der Sierra Nevada gibt's noch viel zu wenig Schnee. Ich wünsche dir noch eine gute Zeit! Liebe Grüße, Maria

    Maria | vor 8 Monaten Antworten

    Moin, Linus! Vielen Dank für das informative Lebenszeichen. Super Fotos, da fühlt man sich lebendig in Deine Erzählung eingebunden. Weiterhin viel Spaß und schöne Erlebnisse. Liebe Grüße von Dieter & Sabine P.S. Hat dir der Aufenthalt denn schon erste Impulse in Richtung Berufswahl gegeben?

    Dieter Hahn | vor 8 Monaten Antworten

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