Autos und Waffenschmuggel

Ich weiß, das Neujahrsversprechen mehr Beiträge in diesem Jahr zu bringen hielt nicht besonders lange. Aber wer hätte es gedacht, es gab einfach mal wieder viel zu viel zu tun. Da bleibt einfach keine Zeit für Blogposts. Nun hole ich das aber mal nach!

Starten wir doch da, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe: Im Januar. Denn Ende des Monats findet in Detroit jährlich die Detroit Auto Show statt. Wer mich kennt weiß, dass ich mich durchaus für schnelle Autos interessiere, besonders amerikanische Muscle-Cars haben es mir angetan. Also hin da! Um nicht alleine die 3 stündige Fahrt antreten zu müssen, habe ich Selina mitgeschleppt, eine gute Freundin aus den Staaten. Ihr Interesse an Autos hält sich zwar in Grenzen, aber es war wenigstens ein Grund vor der Semesterarbeit zu entkommen.
In Detroit angekommen und endlich einen Parkplatz gefunden, ging es ab zur Messe. Die lässt sich für mich dann recht einfach zusammenfassen: enttäuschend. Die Mehrheit der Automodelle waren ganz normale Chevrolets, Hondas, Subarus und was man sonst noch so täglich auf amerikanischen Straßen fahren sieht. Zwar teils in leicht veränderter und modernisierter Variante, aber das war’s. Die paar wirklich interessanten Autos hatten enorme Menschenmengen vor ihnen stehen. Um sie zu sehen, musste man sich also erstmal den Weg freiboxen. Ich hatte hier neuere und interessantere Autos erwartet und wurde etwas enttäuscht und so haben wir die Messe nach knapp 2 Stunden bereits wieder verlassen.

Da wir eigentlich eine deutlich längere Zeit auf der Messe eingeplant hatten, hatten wir für die Nacht ein Hotel gebucht. Die Preise in Detroit waren aufgrund der Messe unglaublich hoch, insofern haben wir uns eines kleinen Tricks bedient: Einmal über den Detroit River und schon ist man in Windsor, Kanada. Naja, so einfach war es dann doch nicht.

In den USA ist es schließlich normal eine Waffe in der Öffentlichkeit zu tragen, von Pfefferspray mal ganz zu schweigen. In Kanada sieht das Ganze allerdings etwas anders aus. An der Grenze befragte uns dann ein kanadischer Grenzbeamte wie üblich nach allem möglichen, unter anderem auch Waffen. Und nachdem ich selbstsicher verneinte, kam von Selina plötzlich ein „ehhmm…yeah, pepperspray“. Das Ganze brachte uns dann eine schöne Extrauntersuchung. Mein schönes Auto wurde nochmal mehr oder weniger gründlich auf den Kopf gestellt. Eigentlich mussten wir jetzt als nächstes ins Gebäude gehen, Selina etliche Dokumente ausfüllen und danach das Pfefferspray konfisziert werden. Doch die zwei freundlichen Grenzbeamten sahen das ganze etwas lockerer. Und während die eine Selinas Handtasche auf weitere Waffen durchsuchte, nahm die andere das Pfefferspray und ging damit zum Kofferraum. Danach kam sie ohne Spray wieder und flüsterte mir zu (frei übersetzt): „Ich habe es beim Reserverad versteckt. Benutzt es in Kanada einfach nicht, und wir haben kein Problem. Gute Fahrt!“

Offiziell in Kanada eingereist, konnte wir dann Windsor in voller Pracht bestaunen. Naja, also eigentlich wirkte es nur wie eine Kopie der USA mit zweisprachigen Straßenschildern, km/h statt mp/h und Celsius statt Fahrenheit. Der wichtigste Unterschied war allerdings ein anderer: In den meisten Teilen Kanadas kann Alkohol ab 18 erworben werden! So konnte ich nach fast einem halben Jahr also endlich wieder ein Bier in der Öffentlichkeit genießen. Ein schönes Gefühl.

Nachdem wir Windsor noch ein wenig zu Fuß erkundet hatten, ging es auch schon wieder ins Hotel, denn am nächsten Tag wollte ich noch gerne Detroit anschauen. Doch auch hier erschwerten uns Grenzbeamte mal wieder die Reise. Diesmal allerdings auf amerikanischer Seite und außerdem war ich der Auslöser. Denn obwohl ich alle benötigten Dokumente mitgebracht hatte, war die Grenzbeamtin komplett verwirrt. Ein junger Mensch, der freiwillig Leuten in Amerika hilft? Und dafür nicht mal richtig bezahlt wird? Das passte wohl nicht so ganz in ihr Weltbild, und so bekamen wir bereits zum zweiten Mal eine Extrauntersuchung. Diesmal musste ich ins Gebäude und mich mit den Kollegen von der Homeland Security unterhalten, und dabei wirklich darauf achten nicht langsam auszurasten. Denn obwohl der werte Herr alle Dokumente vor sich liegen hatte, wo sämtliche für ihn wichtige Informationen aufgelistet waren, ich bereits mein Visum für 12 Monate ein halbes Jahr vorher in Chicago bekommen hatte, ich nicht aus Syrien oder Afghanistan sondern aus Kanada kam und absolut nichts gegen einen Visumsmissbrauch oder ähnliches sprach, durfte ich an diesem Tag nun schon zum Dritten mal erklären, was ich denn in den Staaten mache, weshalb, für wie lange, wo ich lebe, wie ich ohne Gehalt überleben kann und so weiter. Nachdem ich meine steigend schlechte Laune erfolgreich für 30 weitere Minuten unterdrückt hatte, wurde uns endlich die Einreise ermöglicht. Dabei wirkte der Beamte auch noch so, als ob er mir gerade einen Gefallen tun würde. So hilft man doch gerne einem Land, wenn man dafür bei jeder Grenzkontrolle wie ein Betrüger oder Krimineller behandelt wird.

Nachdem ich mich im Auto etwas über das Passierte abreagierte, ging es abschließend noch zu Fuß durch Detroit. Und ehrlich: ich war positiv überrascht. Man kennt die Horrorbilder aus Film und Fernsehen, die zerfallene, gescheiterte Stadt Detroit. Und natürlich sind die Spuren auch noch erkennbar. Doch gerade im Zentrum hat sie sich wirklich gut erholt. Trendige neue Cafés und Läden schmücken die Querstraßen, es gibt viele Veranstaltungen und Events, und für 75 Cent kann man die Stadt mit der Bahn umrunden. Die Stadt ist sauber und überall finden sich Schriftzüge wie „We’re in this together“ und „The new Detroit“. Man erkennt, dass die Leute die Stadt wiederbeleben möchten, Detroit wieder schön machen. Das scheint zumindest in Ansätzen zu funktionieren.

Viel interessanter als die Autoshow waren also schlussendlich die skurrilen Grenzüberquerungen und das Sightseeing in Detroit. Und mit diesen Erfahrungen ging es zufrieden zurück nach Shelby.

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